Die Abteibrauerei: a dream come true

Unsere Abteibrauerei ist jetzt gut ein halbes Jahr geöffnet. Höchste Zeit für einen Plausch mit Ideengeber Joris Brams, der unsere Pater ermutigte, wieder Bier auf dem Abteigelände zu brauen. „Eine Brauerei in der Parkabtei: Das war mein Traum.“

Pater Filip, Joris Brams en pater Jef degusteren een biertje.

Die Geschichte der Abteibrauerei Braxatorium Parcensis ist teilweise die Lebensgeschichte von Joris Brams (51). „Die Parkabtei hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Mein Elternhaus grenzte früher an die Abtei. Ich fuhr hier mit meinem Vater zur Schule – es war eine Abkürzung zum Sint-Pieterscollege“, erinnert er sich.

Joris verweist auf Zeiten, in denen die Abtei verlassen war. „Vielleicht klinge ich jetzt wie ein alter Mann, aber damals konnten wir fast jeden Winter auf den Teichen eislaufen“, lacht Brams. „Außerdem heckte ich in allen möglichen Gebäuden jede Menge Unfug aus. Dadurch kenne ich die Abtei in- und auswendig. Wo es langgeht, weiß ich manchmal besser als der Verwalter des Geländes!“

Abenteuer im Ausland

Nach seinem Studium verließ Brams Leuven. Als Wirtschaftsingenieur entschied er sich für ein berufliches Abenteuer auf der anderen Seite des Ärmelkanals, doch fünfzehn Jahre später kehrte er zu seinen Wurzeln zurück. „Mein Vater wurde krank und ist innerhalb kurzer Zeit von uns gegangen. Er wollte unbedingt auf dem Friedhof der Abtei begraben werden. So sind wir wieder öfter hierhergekommen.“

Brams war damals Geschäftsführer eines Unternehmens, das Cider und Bier herstellt. „Meine Manager forderten mich auf, etwas mit belgischem Bier zu machen. Ich hatte damals die Idee, ein Abteipils mit niedrigem Alkoholgehalt zu brauen. Nach einer Messe habe ich mit Abt Swarte und Jos Wouters, dem späteren Generalabt des Norbertinerordens, darüber gesprochen“, erklärt Brams.

Heverlee-Bier

Brams Lobbyarbeit führte zum Heverlee-Bier. „Ein leckeres Pils der Brauerei Martens, der ältesten Familienbrauerei des Landes. Für dieses Bier gingen wir mit Mais aus der Nähe der Abtei ans Werk. Das Ergebnis haben wir nach Großbritannien verschifft, wo das Bier sehr beliebt ist.“

Mit dem Erlös des Heverlee-Bieres konnten die Norbertiner etliche wohltätige Zwecke unterstützen. Sie haben auch in das genossenschaftliche „Braxatorium Parcensis“ (Bra-Pa) investiert. Das ist die Abteibrauerei, die seit September 2019 im Gästequartier unserer Abtei betrieben wird.

Historische Rekonstruktion

Braxatorium Parcensis ist einzigartig, weil es sich um eine Rekonstruktion der historischen Brauerei handelt. „Die wurde nach der Französischen Revolution als Schrott verkauft. Wir haben darüber noch Unterlagen in unserem Archiv“, weiß Brams. „Mein Traum war es, diese Geschichte wieder zum Leben zu erwecken. Bra-Pa steht jetzt an genau dem gleichen Ort, an dem die Brauerei vor vielen hundert Jahren stand. Flussaufwärts, bei der ersten Mühle.“

Der Bau war allerdings kein Kinderspiel. „Dieser Raum war verfallen, er hatte keinen Fußboden, durch das Dach regnete es herein … Wir mussten also auf die Restaurierung warten. Danach hatten wir das unglaubliche Glück, dass sich Gert Chapelle an diese Aufgabe wagen wollte. Mit seinem Unternehmen hat er das Unmögliche geschafft. Weil es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt, durften wir nämlich kein Feuer machen, nicht schweißen ... Und wir haben nur eine Tür, 1 Meter 37 breit. Die Braukessel nach innen zu lotsen, war Millimeterarbeit!“

"Die Braukessel nach innen zu lotsen, war Millimeterarbeit!"
Joris Brams
Het bier stroomt uit de brouwketel.

Einen Schornstein gibt es auch nicht im Raum. „Wir haben deshalb eine innovative Kondensationstrocknungsanlage eingebaut. Wir setzen auch auf Null-Emissionen: Unseren Strom liefern Wind und Sonne, das Wasser kommt aus dem Wasserspeicher unter den Abteiteichen … Wir arbeiten außerdem zirkulär: Der gesamte Treber (Reste von Getreidekörnern, Anm. d. Red.) wird an die Kühe der Abtei verfüttert“, erläutert Joris.

Libertus und Quirinus

Die Bra-Pa-Sude sind nach historischen Persönlichkeiten benannt. „Libertus verweist auf Libertus de Paepe, der im 17. Jahrhundert dafür sorgte, dass die Abtei florierte. Bald machen wir auch ein Abteibier zu Ehren des Heiligen Quirinus von Neuss, ein sogenanntes Tripel. Die Abtei hat eine Reliquie dieses Schutzheiligen.“

Jedes Bier hat eine Nummer und einen eigenen Charakter. „Wir arbeiten mit saisonalen Kulturpflanzen wie Biogetreide von BoerEnCompagnie oder mit roter Bete aus dem Gemüsegarten. Libertus 1 war ein bernsteinfarbenes Bier mit 6,5 Prozent Alkohol, während Nummer 2 eher in Richtung Duvel ging. Die Nummer vier mit Roter Bete wird wieder etwas subtiler sein.“

Im Abteiladen und online

Normalerweise würde Bra-Pa im April an den Leuven Beer Weekends teilnehmen, die aber wegen der Corona-Krise verschoben wurden. „So haben wir Zeit, über Libertus 5 nachzudenken. Das wird ein fruchtigeres Bier mit Sommerzutaten. Darauf können wir uns nach der Quarantäne freuen“, meint Brams abschließend.

Die Biere von Bra-Pa sind im Abteiladen „De Wikke“ erhältlich und können in der Brasserie „De Abdijmolen“ und einigen spezialisierten Bierkneipen in Leuven verkostet werden. Wegen der Corona-Krise ist der Verkauf vorläufig allerdings beschränkt auf den Abteiladen im Innenhof der Abtei und den Webshop unter www.braxatoriumparcensis.be.
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