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Treffen Sie Wilfried, den Enkel des Kochs von gestern

„Wir haben Neujahr im Mariapoort gefeiert“

Wilfried Van de Sande
Wilfried Van de Sande @ De Abdijmolen.

Wilfried Van de Sande kam bereits als kleiner Junge in die Parkabtei. Er spaziert dort noch immer genauso gern herum wie damals. „Dies habe ich alles meinem Großvater zu verdanken, der im Mariapoort wohnte. Ich habe sogar mal daran gedacht, hier ein Restaurant aufzumachen!”

Wilfried (76) ist trotz des Regenwetters auf dem Gelände der Abtei unterwegs.  „Ich komme regelmäßig hierher, um die Ruhe zu genießen.  Ich trinke auch gern mal einen Kaffee in der Brasserie. Das Haus der Polyphonie im Mariapoort habe ich noch nicht besucht, nein. Das war aber früher ein bisschen anders”, sagt er.

Früher, das bedeutet Mitte des vorigen Jahrhunderts.  „Ich war hier damals oft zu Besuch bei meinem Großvater Jef Van de Sande. Er wohnte im Mariapoort. Wenn man reinkommt, war rechts ein Wohnzimmer mit einem Löwener Ofen in der Mitte.  Oben, wo sich jetzt der Konzertsaal befindet, war ein Theatersaal.”

Schöne Erinnerungen

Jef ‘Jefke’ Van De Sande war bei den Norbertinern Hausmeister und Koch.

Kok en klusjesman Jef Van de Sande
Jef Van de Sande (†)

„Er ist damals mit dem Abt von Tongerlo in die Parkabtei gekommen. Das muss Ende des neunzehnten Jahrhunderts gewesen sein. Er wurde hier auch mit Coletta getraut, die im Kloster als Reinigungskraft tätig war. Ja ja, eine Romanze zwischen dem Koch und der Putzfrau”, lacht Wilfried.

„Jeden Sonntag kamen wir vom Naamsesteenweg zu Fuß hierher“, erinnert sich Wilfried. „Mein Großvater hatte einen wunderbaren Gemüsegarten mit Porree, Sellerie, Karotten ... und einen kleinen Bauernhof, wo er Kaninchen züchtete. Als Kind habe ich hier auch noch Fische gefangen – die Teiche gehörten seinerzeit noch zum Fischzuchtbetrieb Bellefroid. Ja, das sind schöne Erinnerungen.”

Getreide beim Müller

„Zu Neujahr hatten wir unsere Familienfeier im Mariapoort. Auf der Speisekarte: (selbst gezüchtete) Kaninchen mit Pflaumen. Und ich weiß nicht, ob das heute noch so ist, aber in der Torwand befand sich eine Nische.  Dort bewahrte mein Großvater seine Weinsammlung auf.  Ich war noch zu jung, aber einige meiner Onkel und Tanten haben da viel Freude dran gehabt“, sagt Wilfried augenzwinkernd.

Jef ist bis zu seinem Tod im Jahre 1960 in der Abtei geblieben.  „Er liegt hier auf dem Friedhof begraben”, erzählt Wilfried. „Auch meine Patentante Jeanne, seine jüngste Tochter liegt dort.  Ich habe sie dort noch oft besucht. Manchmal in Begleitung meiner späteren Ehefrau, was dazu führte, dass wir hier unsere Hochzeitsfotos machen ließen. Die sind übrigens auch im digitalen Hochzeitsalbum der Abtei zu sehen.

Wilfried Van de Sande in de keuken, begin jaren tachtig

Ein eigenes Restaurant?

Wilfried selbst ist bereits seit Jahren pensionierter Lehrer, hat aber auch eine Ausbildung zum Koch absolviert.  „So bin ich mit ein bisschen Verzögerung doch noch in die Fußstapfen meines Opas getreten“, sagt Wilfried. „Ich habe hier Ende der siebziger Jahre das Catering für eine Hochzeit gemacht. In der Abteiküche, wo Jef noch gekocht hat. Die war seinerzeit verdammt gut ausgestattet.  Fast wie eine Profi-Küche in einem Restaurant.”

„Ich habe sogar mal daran gedacht, hier ein Restaurant aufzumachen, aber dazu ist es dann doch nicht gekommen.  Das Abteigelände hat freilich eine Anziehungskraft, die selbst dann noch bestand, als es im Verfall begriffen war. Die grüne Natur, das Wasser, die historischen Gebäude ... wirklich fantastisch.  Selbst meine Schwiegereltern hatten zu Hause eine Radierung von der Parkabtei hängen. Ich werde hier immer gern herkommen”, so Wilfrieds Fazit.