Titel

Rik Torfs, einst Student in der Parkabtei

„Die Parkabtei übersteigt das Verstandmäßige”

Rik Torfs

„Ich hatte direkt nach meinem Studium ein Studentenzimmer in der Parkabtei”, erklärt Professor Torfs. „Damals, 1981, waren Studentenzimmer in Leuven knapp. Einer meiner Freunde hatte hier ein Zimmer und sorgte dafür, dass ich hier einziehen konnte. Ich war vorher noch nie hier, aber ich war sofort hin und weg. Mein Zimmer war ziemlich klein, aber das reichte mir allemal. Ich brauche keinen Luxus - übrigens auch heute nicht.“

„Man musste nicht unbedingt Pater werden wollen, um hier wohnen zu können”, lacht Torfs. „Manch ein Student war vielleicht etwas frommer als die anderen, aber ich hatte hier auch viel Spaß, ohne am Abteileben teilzunehmen. Es gab beispielsweise Unternehmungen, an denen auch Bruder Frans teilnahm. Manchmal gingen wir nach Haasrode zum Schlittschuhlaufen und in der Geldenaaksebaan gab es ein Haus, in dem wir immer für ein Weizenbier von Hoegaarden willkommen waren”, erinnert sich Torfs.

„Die Abtei bedeutete Freiheit“

„Ich mag die Schlichtheit dieser Abtei. Morgens mit Blick auf die Teiche aufstehen: Das hat mir wirklich viel gegeben. Ich bin ein echter Naturfreund und kenne viele Bäume und Blumen bis ins Detail. Aber ich muss auch zugeben, dass ich meistens erst aufgewacht bin, wenn es schon hell wurde. Ich habe meistens erst gegen zehn Uhr mit der Arbeit begonnen und abends habe ich die Welt erkundet. Die Parkabtei ist für mich ein Synonym für Freiheit. Ich habe hier gemacht, was ich wollte”, sinniert Torfs.

"Die Parkabtei ist für mich ein Synonym für Freiheit"

Unterscheidet sich die Abtei von damals sehr von der heutigen? „Damals war es hier viel ruhiger, es gab aber auch wenig Zukunft für das Abteileben. Und das ist doch immer die erste Frage, die bei einem Abteibesuch gestellt wird: ‚Wohnen hier noch Pater?‘ In meiner Zeit war Roggen der Abt. Er hatte sogar ein Nummernschild mit den Buchstaben ABT. Jef Van Osta, den heutigen Prior, habe ich übrigens noch als Student gekannt”, erzählt Torfs.

Kleine Abtei, große Dinge

Een pagina uit de thesis van Rik Torfs

Torfs erlebte mit, dass immer weniger Pater eintraten. „Spirituell verfiel die Abtei, aber ihre Schönheit blieb erhalten. Ich bewundere die Abtei noch immer als Bauwerk - mit ihren Stuckdecken, dem Kreuzgang, den Salons ... Und die knarrenden Böden: Das hat schon was. Das absolut Piekfeine schreckt mich ab. Dies ist ein lebendiges Gebäude, keine Hülle, in der man zufällig herumläuft“, erklärt Torfs.

„Die Parkabtei ist eine kleine Abtei, in der man mit einer Reihe von Menschen große Dinge leisten kann. Ich erinnere mich noch, dass Ende der achtziger Jahre aus jedem Gebäude eine Art Andachtshaus gemacht werden sollte. Aber auch dazu braucht man ausreichend Leute. Meiner Meinung nach hat die KU Leuven hier eine Chance verpasst. Es hat dann schließlich bis Mitte der Jahre 2000 gedauert, bis das Ganze in Schwung kam.“

Was der Professor von der Restaurierung hält? „Ich bin ein großer Fürsprecher für Orte, an denen Kultur und Natur aufeinandertreffen. Dadurch kommen wir in den Genuss aller Einzelheiten. Ich verabrede mich deshalb sehr gerne auf dem Abteigelände. Die Parkabtei bietet eine Alternative zur Welt des Geschäfts, der Technologie und der Wissenschaft in Leuven. Sie steckt voller Geschichte und übersteigt das Verstandmäßige. Außerdem kann eine Abtei das Religiöse auch nach dem Zusammenbruch der Pfarreistruktur am Leben erhalten”, sagt Torfs.

Fleißarbeit

Zurück zu seiner Doktorarbeit mit dem Titel ‚Die Ehe als Lebensgemeinschaft‘. Weiß er noch, um was es darin geht? „Selbstverständlich! Kurz gesagt, um die Ehe“, lacht er. „Vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil betrachtete die Kirche die Ehe nämlich als einen Vertrag, aus juristischer Sicht. Aber beim Konzil wurde sie zu einem Bund mit Fortpflanzung und dem Wohlergehen der Partner als vorrangigem Zweck. Die Frage war aber: Wie lässt sich dies in ein Rechtssystem fassen? In meiner Doktorarbeit habe ich diesen Bereich untersucht.“

Das Manuskript in unserem Archiv ist handgeschrieben. „Ich bin tatsächlich ein Handschreiber. Seinerzeit hatte ich rund tausend Seiten, das war also echte Fleißarbeit. Das Tippen haben später andere gegen Bezahlung übernommen. Das mache ich übrigens heute noch: Manchmal diktiere ich, was ich in einer Vorlesung sagen möchte und jemand anderes tippt es dann ab. Eigentlich so wie jetzt“, sagt Torfs grinsend.