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Geschichten über die Parkabtei: Glockenspieler Luc

„Das Friedensglockenspiel kommt dank einer Aneinanderreihung von Zufällen zurück.“

Luc auf dem Universitäts-Glockenspiel.
Luc auf dem Universitäts-Glockenspiel.

Am 11. November erklingt das neue Friedensglockenspiel vom Turm der Abteikirche. Eine einzigartige Begebenheit, denn es ist die erste Rekonstruktion eines historischen Glockenspiels der Geschichte. Ein Mann wird vor Stolz strahlen: Luc Rombouts, der Glockenspieler der Universität, der zum Entstehen der Rekonstruktion beitrug.

Glockenspieler Luc Rombouts stammt aus Hasselt und wohnt momentan in Zoersel in den Kempen. Er hat in Leuven studiert und blieb der Stadt an der Dijle für immer verbunden. „Als Glockenspieler der Universität bin ich 2 bis 4 Tage in Leuven“, erklärt er. „Und die Parkabtei liegt nicht weit entfernt vom Großen Beginenhof oder dem Ladeuzeplein, wo ich das Glockenspiel spiele. Ich komme gerne hierher, um die einzigartige Umgebung zu genießen.“

Wann haben Sie die Parkabtei entdeckt?

Ich habe die Abtei zum ersten Mal in meiner Zeit auf der Sekundarschule besucht. Damals nahm ich Klavierunterricht am Städtischen Konservatorium in Hasselt. In den Sommerferien fuhr mein Vater mich hin und zurück nach Korbeek-Lo, wo mein Klavierlehrer wohnte. Um solche Tage angenehmer zu gestalten, zeigte dieser uns einige interessante Orte in der Nähe. So haben wir dann auch die Parkabtei entdeckt.

Sind Sie oft hierher zurückgekommen?

Ja, denn dies ist eine grüne Enklave, eine Insel mitten in der Hektik der Stadt. Hier findet man Einrichtungen, die nicht klösterlich sind, sich aber dennoch im Einklang mit dem Leben von früher befinden. Ich denke dabei an PARCUM, das CRKC, den Bio-Bauernhof, die Alamire Foundation,… Sie unterhalten keine direkte Verbindung zum Klosterleben und dennoch sind sie die logische Fortsetzung dessen, was sich früher in der Abtei tat.

"Ich kenne keinen Ort, der für so viel Zusammengehörigkeit sorgt."

Enorm viele Menschen fühlen sich mit der Abtei verbunden: Sie haben ihre Hochzeitsfotos dort machen lassen, hatten dort ihre Studentenwohnung ... Ich kenne keinen Ort, der für so viel Zusammengehörigkeit sorgt. Und genauso gut hätte dieses Gelände vor einigen Jahrzehnten verschwinden können, denn es war massiv verfallen. Heute ist dies einer der am besten erhaltenen Abteikomplexe in Westeuropa.

Luc spielt Glockenspiel.
Luc spielt Glockenspiel.

Und jetzt kommt sogar noch etwas hinzu, das nicht erhalten wurde: Bald erklingt das Friedensglockenspiel auf dem Abteigelände.

Das stimmt. Eine einzigartige Begebenheit, denn es ist die erste Rekonstruktion eines historischen Glockenspiels der Geschichte. Und dies dank einer Aneinanderreihung von Zufällen.

Wieso?

Tja, sogar meine Leidenschaft für das Glockenspiel beruht auf einem Zufall. Gegen Ende meines Studiums wollte ich ein neues Musikinstrument lernen. Genau damals, in 1983, wurde das Glockenspiel des Bibliotheksturms restauriert und ein Mitbewohner zeigte mir einen Artikel, in dem Glockenspielunterricht an der KU Leuven angekündigt wurde. Ich habe nicht lange überlegt. Ein Jahr später besuchte ich die Glockenspielschule in Mechelen, wo ich im Fach Glockenspielgeschichte wieder der Parkabtei begegnete.

War das Glockenspiel in der Parkabtei also von historischem Wert?

Auf jeden Fall. Man ging damals davon aus, das hier die erste automatische Glockenspielmelodie erklang, ein Meilenstein in der Geschichte des Glockenspiels. Schon 1479 wurde jede Stunde eine Marienhymne gespielt, weil die Norbertiner Marie ganz besonders verehren. Das wurde in den Chroniken beschrieben. Ich habe später allerdings herausgefunden, dass es das in England schon früher gab (lacht). Erstaunlich, denn das Glockenspiel ist in den Niederen Landen entstanden.

"Schon 1479 wurde jede Stunde eine Marienhymne gespielt - ein Meilenstein in der Geschichte des Glockenspiels."

Es brachte dem Glockenspiel allerdings eine Erwähnung in der Ausstellung ‚Fünf Jahrhunderte Glocken und Glockengießer in Leuven‘ ein.

Das stimmt, das war 1990. Ich habe damals einen kurzen Text über die Glocken und das Glockenspiel der Parkabtei geschrieben. Es wurde 1730 von Prälat Hieronymus de Waersegghere gekauft. 1811 zog das Glockenspiel in die Sankt Peterskirche um, wo es 1914 beim Brand von Leuven zerstört wurde. Ich beschloss damals, dass vielleicht wieder ein Glockenspiel in die Parkabtei kommen müsste. Das war keine ernst gemeinte Idee, denn sehr realistisch war das nicht.

Luc mit den Bürgermeistern von Leuven und Neuss.
Luc mit den Bürgermeistern von Leuven und Neuss.

Wie ist es dann zustande gekommen?

2012 wurde die Idee wieder aufgegriffen, nach einer Lesung für den Verein Vrienden van de Abdij van ’t Park vzw. Ich sprach damals mit Jos Daniëls, dem Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses der Parkabtei. Jos war früher mein Chef als er ABB Versicherungen leitete. Er suchte zu dieser Zeit anlässlich des 75. Jubiläums der ABB nach einem Geschenk für die Stadt. Mit der Leuvener Glocken- und Glockenspielvereinigung Campanae Lovanienses haben wir damals die Idee eines neuen ‚Meester Jan’ eingebracht. Das ist die Figur, die bis ins späte Mittelalter die Uhr an der Sankt Peterskirche schlug. Im 16. Jahrhundert ging sie jedoch zusammen mit einem Teil des Turms verloren. Deshalb schenkte ABB Versicherungen 1998 der Stadt Leuven einen neuen, vergoldeten Meister Jan.

Und mit dem Glockenspiel wollten Sie in der Parkabtei etwas Vergleichbares bewirken?

Sehr konkret war dieser Plan wirklich nicht (lächelt). Ein Glockenspiel zu rekonstruieren ist auch etwas ganz anderes als eine Skulptur mit nur einer Glocke. Fundraising für ein Glockenspiel ist nicht unbedingt naheliegend und die Stadt Leuven hatte schon vier Glockenspiele. Es war aber ein glücklicher Zufall, dass Jens Metzdorf, der Stadtarchivar der deutschen Stadt Neuss in dieser Zeit entdeckte, dass Soldaten seiner Stadt 1914 massive Verantwortung für den Brand von Leuven trugen, bei dem auch das Glockenspiel vernichtet wurde. So wurden über das Stadtarchiv Gespräche aufgenommen und die Städte Leuven und Neuss beschlossen, daraus ein Friedensmonument zu machen.

Pläne für das Friedensglockenspiel.
Pläne für das Friedensglockenspiel.

Das Glockenspiel wird ein genaues Replikat des Glockenspiels von 1730. Woher hatten Sie diese Pläne?

Wieder durch einen glücklichen Zufall. Die Abmessungen und Formen der 40 ursprünglichen Glocken und Klöppel wurden um 1880 vom Glockengießer Constant Sergeys aufgezeichnet. Sein Enkel Jacques, der letzte belgische Glockengießer, hatte das Buch noch irgendwo in seinem Archiv. Ich habe ihn im vergangenen Jahr besucht und er erzählte mir, dass er noch etwas über das Glockenspiel der Parkabtei gefunden hatte. Wohlgemerkt: Damals lief das Projekt schon! Beim Glockengießer Eijsbouts waren alle total begeistert, als sie das zu sehen bekamen. So kommen wir bald wieder zu dem Klangbild von früher.

Mir haben außerdem die Ehrenamtler vom Abteiarchiv sehr geholfen. Sie haben in den vergangenen Jahren viel transkribiert, was mir bei meiner Suche weiterhalf.

Wie weit ist das Projekt heute gediehen?

Der Glockenstuhl steht schon an seinem Platz im offenen Teil des Abteiturms. Die modernen Vorschlagglocken, die dort noch hingen, wurden abmontiert und werden zukünftig in der Abtei von Averbode erklingen. Vorläufig ist es auf dem Gelände also still. Aber die neuen Glocken sind gegossen und gestimmt - Mitte August machen wir die Abnahme.

Die Glocken, die vor kurzem in der Abtei hängen.
Die Glocken, die vor kurzem in der Abtei hängen.

Wann dürfen wir sie in der Parkabtei erwarten?

Am 10. September kommen die Glocken hierher. Der Prior, Pater Jef, wird sie segnen. Am 11. und 12. September stehen die Glocken auf dem zentralen Innenhof der Abtei. Dort kann sie dann jeder bestaunen. Am 13. September werden die 40 Glocken in den Turm gehievt. Anschließend werden einen knappen Monat lang Montagearbeiten durchgeführt und dann haben wir ungefähr einen Monat, um zu üben, nachzujustieren ...

"Die Nachbarn müssen sich also keine Sorgen machen, wenn sie ab und zu einen falschen Ton hören."

Ab wann kann sich die Nachbarschaft auf die Glockenspielklänge freuen?

Ab 5. Oktober. Ich probe erst auf einer speziellen Übungsklaviatur, die in der Sankt-Johannes-Evangelist-Kirche aufgestellt wird. Das ist notwendig, denn die Klaviatur dieses Glockenspiels weicht etwas von den heutigen Glockenspielklaviaturen ab. Die Pedale liegen beispielsweise etwas weiter links und die Stöcke der Handklaviatur liegen auch etwas dichter zusammen. Die Nachbarn müssen sich also keine Sorgen machen, wenn sie im Oktober ab und zu einen falschen Ton hören (lacht).

Und die feierliche Einweihung findet am 11. November statt?

Das stimmt. Am 11. November 2018 wird dem Waffenstillstand vor 100 Jahren gedacht. Deshalb werden alle Glocken im Land um 11 Uhr läuten. Eine Viertelstunde später findet die offizielle Einweihung des Friedensglockenspiels statt, zu der die Spender aus Leuven und Neuss eingeladen sind. Nachmittags gibt es ein Glockenspiel-Happening mit u. a. Führungen und drei halbstündigen Glockenspielkonzerten. Wir begrüßen Carl Van Eyndhoven, Stadtglockenspieler von Mol, und Arie Abbenes, den ehemaligen Utrechter Stadtglockenspieler und historischen Berater des Friedensglockenspiels. Und ich übernehme auch eins.

Ich werde am 11. November unter anderem ‚A Sacred Suite‘ spielen. Das ist ein Glockenspielstück, dass der Glockenspieler Geert D‘hollander speziell für diesen Anlass komponiert hat. Es ist ein sehr schönes Werk, das auf drei gregorianischen Themen basiert, die im 16. Jahrhundert auf Norbertiner-Glockenspielen erklangen. Die Stadt Leuven wird das Stück auch verteilen und Glockenspieler aus der ganzen Welt bitten, es am 11. November zu spielen.

Eine Glocke der Friedensglockenspiel.
Eine Glocke der Friedensglockenspiel.

Werden nur Friedenslieder gespielt?

Nein. Wir werden einige Friedenslieder spielen, aber wir wollen auch weitere musikalische Möglichkeiten des Glockenspiels zeigen. In südniederländischen Abteien wurde übrigens viel weltliche Musik gespielt. So konnten die Pater etwas Entspannung genießen.

Es gibt dennoch einen öffentlichen Aufruf für Friedenslieder, die wir auf dem Automat programmieren wollen. Dieser wird den Lauf der Zeit über den Tag hinweg musikalisch begleiten. Wir haben schon Vorschläge wie ‚Ode an die Freude’ von Beethoven, aber auch ‚Masters of War’ van Bob Dylan bekommen. Zu bestimmten Anlässen im Jahr, wie dem internationalen Tag des Friedens und dem Waffenstillstandstag, wird das Glockenspiel diese Musik auch spielen. So wird es seine Friedensmission erfüllen und den Geist der Abtei widerspiegeln.