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Geschichten über die Parkabtei: Die Ehrenamtler vom Archiv

Die Ehrenamtler die das Archiv der Abtei zugänglich machen

Die Ehrenamtler vom Archiv
Die Ehrenamtler vom Archiv: Leo, Christine und Kristiaan (v.l.n.r.).
De vrijwilligers die het archief van de abdij ontsluiten
De vrijwilligers die het archief van de abdij ontsluiten
Stuk uit het archief van de Abdij van Park
Kristiaan in het archief

Die Parkabtei blickt auf eine reiche Geschichte zurück. Tausende Bücher und Schriften im Archiv sind dafür stumme Zeugen. Bewohner aus der Nachbarschaft kümmern sich auf ehrenamtlicher Basis darum, dass dieser Schatz an Informationen erschlossen wird. „Wir lernen noch jeden Tag dazu“, berichten Christine, Kristiaan und Leo.

Wir treffen die drei Archivmitarbeiter an einem Dienstagnachmittag, an dem sie zu dritt vollauf beschäftigt sind. Leo digitalisiert, Kristiaan transkribiert und Christine inventarisiert. So arbeiten sie mehrere Tage pro Woche. Auf ehrenamtlicher Basis, aber sehr sorgfältig und mit einem Auge fürs Detail.

Begegnung mit der Abtei

Der Antwerpener Leo Janssen lernte die Abtei Ende der neunziger Jahre kennen. „Die damalige Kredietbank brachte 1979 ein Buch über die Abtei heraus, in dem es auch ein Kapitel über die Glasfenster gab. Ich habe von meinem Vater ein Glasfenster über den Lange Wapper geerbt und habe angefragt, ob ich hier einmal rumstöbern dürfte.“

Kristiaan Magnus, ein ehemaliger Lehrer der städtischen Grund- und Mittelschule, kennt die Abtei noch länger. „Ich war hier mit meinen Klassen, um zu zeichnen, um Bücher anzuschauen ... Je nach Projekt, mit dem wir uns beschäftigten, stand uns der Prior zur Verfügung. Er entrollte dann Pergamentschriftstücke aus dem 13., 14. Jahrhundert ... Das war eine einzigartige Erfahrung.“

"Ich mag die Schlichtheit, die Stille und die Ästhetik der Parkabtei."

Christine Vanthillo kennt die Abtei am längsten, denn sie lernte das Gelände während ihres Studiums der Kunstgeschichte kennen. „Ich besuche sehr gerne Abteien, auch im Urlaub. Ihre friedliche Atmosphäre empfinde ich immer als wohltuend. Ich mag die Schlichtheit, die Stille und die Ästhetik der Parkabtei. Nach meinem Studium habe ich in Sint-Truiden gewohnt, aber ich kam oft wieder hierher. Ich bin über den Verein Freunde der Parkabtei in Kontakt geblieben und habe nach meiner Pensionierung nachgefragt, ob ich hier ehrenamtlich tätig werden könnte.“

Arbeiten im Archiv

Christine hat mit dem Archiv der Freunde der Parkabtei angefangen und inventarisierte anschließend den Friedhof. „Ich habe mir alle Grabsteine angeschaut, die Inschriften notiert und eine Übersicht erstellt. Mit dem Fortschreiten der Arbeiten lernte ich viel über die Symbolik der Darstellungen. Es liegen auch eine Reihe von Honoratioren auf dem Friedhof: die Rektoren Paulin Ladeuze und Pieter De Somer, Jan Baptist David (vom Davidsfonds, Red.), die früheren Ministerpräsidenten Geens und Eyskens, der Chansonnier Zjef Vanuytsel…“

Für Leo kein Friedhof, sondern Bananenkisten. „Der Verwalter der Domäne Stefan Van Lani fragte mich, ob ich mir einmal einige Stiche anschauen könnte“, erinnert er sich. „Mir wurde ein Koffer zugeteilt, in dem sich rund 4.000 Stiche befanden. Ich sammelte Kunstkalender und kannte mich deshalb damit aus. Außerdem half mir der Kunsthistoriker Thomas Matei. Wir haben die Bilder zusammen eingescannt und dokumentiert.“

Kristiaan vertiefte sich seinerseits in den Schatz an Dokumenten im Archiv der Abtei. „Ich dachte, dass ich etwas für die Bibliothek der Abtei tun könnte, aber sie hatten damals gerade erst einen Katalog erstellt“, erinnert sich Kristiaan. „Stefan schlug deshalb vor, einmal im Archiv nachzuschauen, denn dort gab es noch jede Menge Arbeit. Und hier gibt es wirklich noch jede Menge Arbeit“, lacht Kristiaan.

Von Büchern bis Stromkästen

Kristiaan ordnete zunächst das Archiv der Missionsstation im brasilianischen Montes Claros. „Die Dokumente reichten bis 1890 zurück. Im Archiv hatte jedes Regal sein eigenes Inventar, wodurch der Überblick fehlte. Außerdem standen zahllose Kartons mit alten Dokumenten und Büchern auf dem Speicher. Zusammen mit dem Archivar habe ich damals ein neues System erarbeitet. Der gesamte Bestand wurde nummeriert und in säurefreie Mappen eingeordnet. Das hat, ohne Übertreibung, 10 Jahre gedauert. In dieser Zeit lernte ich, mittelniederländisch zu lesen, was mir hier sehr zugutekommt.“

"Ich habe auch die Strom- und Sicherungskästen inventarisiert."

Während Kristiaan uns ein Gezeitenbuch in Mittelniederländisch zeigt, erzählt Leo, dass sich die Arbeit nicht nur zwischen Archivkartons abspielt. „Ich habe auch die Strom- und Sicherungskästen inventarisiert. Ein Abt, der Missionar in Brasilien war, hatte dies ohne Pläne in der Abtei gemacht, genau wie in der Mission. Die Sicherungen für den Kreuzgang liegen zum Beispiel oben in der Kirche. Das alles habe ich aufgezeichnet und anschließend haben wir einen Notfallplan erstellt.“

Leo wendete seine Energie auch für die Suche nach den Glasfenstern von Jan De Caumont auf. „Dank Edgard Goedleven, Mitglied des Verwaltungsausschusses der Parkabtei, konnte ich die Eigentümer bis in die Vereinigten Staaten zurückverfolgen. Inzwischen sind fast alle Glasfenster auf das Abteigelände zurückgekehrt.“

Gemeinsam ein gutes Team

Zu dritt erschließen sie also das Archiv. „Man sollte unbedingt eine Leidenschaft für alte Dokumente haben und spüren, wenn man auf etwas Wertvolles stößt. Aber wir sind ein gutes Team“, sagt Leo, „ich bin ausgebildeter Ingenieur, Kristiaan war Lehrer, Christine hat Kunstgeschichte studiert … Wir sind keine Experten, ergänzen uns aber sehr gut.“

„Wir haben 15 Kubikmeter Bücher gereinigt, in Seidenpapier und säurefreie Kartons verpackt.“

Die Archivmitarbeiter verfolgen die Renovierung des Abteigeländes in jeder Hinsicht hautnah mit. „Es ist auch praktisch, dass es uns gibt: Wir können viele Informationen liefern, zum Beispiel über Wände oder eine Brücke“, erzählt Kristiaan. Er war auch beim Ausräumen der Bibliothek dabei. „Wir haben 15 Kubikmeter Bücher gereinigt, in Seidenpapier und säurefreie Kartons verpackt. Diese stehen alle in einem klimatisierten Lager, bis die Bibliothek wieder geöffnet werden kann.“

Schätze auf dem Speicher

Was sind die schönsten Funde? „Manchmal entdecken wir echte Schätze auf dem Speicher, wie zum Beispiel Fotos aus 1880 oder Negative von den ursprünglichen Glasfenstern. Es ist aber genauso schön, mittelalterliche Notizen unseres Abts zu lesen, der ein Urteil über einen Norbertinerbruder fällen musste, der mit einer Nonne im Obstgarten erwischt wurde“, schmunzelt Leo.