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Brecht, Bauer in der Parkabtei

„Schon als kleiner Junge wollte ich Bauer werden“

Boer Brecht

Auf dem Abteigelände werden schon seit jeher Landwirtschaft und die Entwicklung landwirtschaftlicher Innovationen betrieben. Seit einigen Jahren bewirtschaftet De BoerEnCompagnie die Felder rund um die Parkabtei. Der landwirtschaftliche Betrieb will gemeinsam mit den Bewohnern aus der Nachbarschaft den Weg hin zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft beschreiten. „Wir hoffen, die Leuvener von unserem Landwirtschaftsmodell überzeugen zu können.“

Brecht Goussey (46) ist einer von drei Landwirten, die auf dem Abteigelände eine kleine ökologische Landwirtschaft betreiben. „Ich habe 2015 hier angefangen. Aber die Parkabtei kenne ich natürlich schon länger. Als Student habe ich hier Spaziergänge unternommen und Fotos gemacht. Das waren Schwarz-Weiß-Fotografien - irgendwo müsste ich die Fotos noch haben“, sagt er lächelnd.

De BoerEnCompagnie

2017 gründete Brecht mit seinen Kollegen De BoerEnCompagnie. „Wir haben innerhalb von zwei Jahren von 5 auf 30 Hektar aufgestockt“, fährt Goussey fort. „Es ist zwar ein Klischee, aber es ist wirklich harte Arbeit. Wir haben ein angemessenes Einkommen, aber wenn man es in den Stundenlohn umrechnet, dann ist es bescheiden.“

Brecht träumte schon als kleiner Junge davon, Bauer zu werden. „Das habe ich schon mit sieben Jahren gesagt. Damals wollte mir das jeder ausreden“, lacht er. „Tja, es ist auch wirklich schwierig als selbstständiger Landwirt einen Betrieb aufzubauen. Das ist nur mit Hilfe unserer Familien möglich und vor allem dank unserer Frauen, die uns fantastisch unterstützen.“

De boeren en de koeien

CSA

Der Kindertraum von Brecht wurde wahr, als sich in Belgien „Community Supported Agriculture“ entwickelte. „CSA oder solidarische Landwirtschaft beinhaltet, dass unsere Mitglieder das Ernterisiko mit dem Landwirt teilen. Das geschieht konkret dadurch, dass sie am Anfang der Saison ihren jährlichen Beitrag zahlen. Dieser Betrag deckt die Kosten des landwirtschaftlichen Betriebs inklusive unserer Löhne. Wenn die Ernte gut ist, gibt es viel zu teilen. Fällt die Ernte kleiner aus, dann gibt es auch weniger zu teilen. Durch die Diversifizierung des Angebots halten wir als Landwirte das Ernterisiko möglichst gering.“

Das Angebot des Betriebs besteht aus Gemüse zum Selbsternten und Paketen mit Milchprodukten, aber auch aus Mehl, Kartoffeln, Rind- und Schweinefleisch. „Nach diesem Landwirtschaftsmodell bauen die Kollegen von Het Plukgeluk auch Bio-Blumen auf ihren Feldern an.“

Auch ohne Erntebeteiligung kann man Produkte von De BoerEnCompagnie kaufen. „Im Abteiladen verkaufen wir unter anderem Nudeln, Kartoffeln und Milchprodukte. Die Bäckerei Korst bereitet Brot aus Getreide zu, das in unseren Mühlen gemahlen wurde. Und seit letztem Sommer steht ein Milchautomat unter dem Sint-Janstor. Dort kann man Dreiviertel des Jahres frische Rohmilch zapfen“, erzählt Brecht.

Veld van de Boerencompagnie

Über Bodenqualität und Kreislaufwirtschaft

Für Brecht und seine Kollegen spielt Bodenqualität eine wichtige Rolle. „Bei ökologischer Landwirtschaft geht es nicht um das Ernähren der Pflanze, sondern um die Nahrung für den Boden und das Bodenleben. Die Felder rund um die Abtei sind Flächen mit Sand-Lehm-Böden. Sie enthalten ein enormes Nahrungsnetz wie zum Beispiel Würmer und Marienkäfer, aber auch Millionen von Mikroorganismen. Je mehr Biodiversität im Bodenleben steckt, desto gesünder sind die Pflanzen und die Menschen, die diese essen“, erklärt Brecht.

Brecht plädiert deshalb für lokale, ökologisch und fair produzierte Nahrungsmittel. „Die konventionelle Landwirtschaft bezieht Tierfutter vom anderen Ende der Welt. Das schafft sehr unausgewogene Zustände. Ich bin der Auffassung, dass die Anzahl der Tiere auf einem Bauernhof im Verhältnis zu der verfügbaren Fläche für den Anbau von Tierfutter stehen muss. Wir wollen ein Mischbetrieb sein, der Kreisläufe schließt und das ökologische Gleichgewicht respektiert.“

Überschüsse aus einer Aktivität fließen bei De BoerEnCompagnie in eine andere. „Die Kleie des gemahlenen Getreides eignet sich beispielsweise gut als Futter für Schweine und Kühe. Und Molke (eine Flüssigkeit, die bei der Käseherstellung entsteht, Anm. d. Red.) ist für Schweine eine echte Delikatesse. So wird Abfall vermieden“, weiß Brecht.

Boer Brecht en boer Tom

„Mit unserem Landwirtschaftsmodell überzeugen“

In einigen Jahren wird De BoerEnCompagnie in die Zehntscheune, die Ställe und das Milchhäuschen einziehen. Über den Ställen werden außerdem Unterrichtsräume für vzw Landwijzer eingerichtet. Bei dieser Einrichtung haben auch Brecht und seine Kollegen das Handwerk erlernt. „Historisch gesehen sind Abteien ein guter Ort für Ausbildung und landwirtschaftliche Innovationen. Auch das wollen wir wieder zum Leben erwecken.“

„Wir können es eigentlich gar nicht erwarten, bis die Restaurierungen abgeschlossen sind. Nach dem Umbau der Ställe können wir auch auf dem Neerhof Milch verarbeiten. So erfahren noch mehr Menschen, dass wir hier tätig sind. Ich hoffe, dass wir schon bald noch mehr Leuvener von unserer Art der Landwirtschaft überzeugen können“, sagt Brecht abschließend.